Die wichtigsten und die interessantesten Ergebnisse aus meiner empirischen Analyse norwegischer Konsonanten und Vokale.
Für meine Magisterarbeit im Fach Phonetik habe ich mich mit dem Sprachrhythmus beschäftigt. Dafür wurden norwegische Konsonanten und norwegische Vokale untersucht. Um das Ganze etwas spannender zu gestalten, waren die Aufnahmen von Norwegern, Deutschen, Franzosen und Spanieren . Alle Sprecher haben die gleichen norwegischen Sätze gesprochen, wobei die nicht Norwegisch Muttersprachler die norwegische Sprache nur in Grundkenntnissen beherrschten.
Wieso habe ich gerade Norwegisch, Deutsch, Französisch und Spanisch ausgewählt?
Zugrunde liegt die Annahme, dass das Französische und das Spanische nicht zwischen langen und kurzen Vokalen und Konsonanten unterscheidet. Norwegisch kennt jedoch sowohl kurze, wie auch lange Vokale und Konsonanten. Das Deutsche befindet sich, wie auch schon auf der Landkarte, dazwischen. Genauer gesagt kennt das Deutsche also Unterschie zwischen langen und kurzen Vokalen (lahm vs. Lamm), ein Unterschied zwischen langen und kurzen Konsonanten ist jedoch nicht bekannt.
Die Forschungshypothesen waren wie folgt formuliert:
H1a
Sind lange Konsonanten in den Sprachstimuli enthalten, so weisen die von deutschen, französischen und spanischen Muttersprachlern gesprochenen Konsonanten eine geringere Dauer auf als die von norwegischen Muttersprachlern gesprochenen Konsonanten.
H1b
Sind lange Vokale in den Sprachstimuli enthalten, so weisen die von französischen und spanischen Muttersprachlern gesprochenen Vokale eine geringere Dauer auf als die von norwegischen und deutschen Muttersprachlern gesprochenen Vokale.
H2
Probanden mit gleichem muttersprachlichem Hintergrund unterscheiden sich in geringerem Maße voneinander als Pobanden mit unterschiedlichem Sprachhintergrund (Gruppenbildung).
Als Rhythmusmaße wurden
für die Namen:
berechnet.
Eingebettet waren die Namen in den Trägersatz: “Name kan låne boka mi.” (Name KVK KV:K@ KV:KV: KV:)
Dauer
Die Betrachtung des Initialen Vokals (/a/) zeigt, dass norwegische und deutsche Muttersprachler lange und kurze Vokale unterscheiden. Einen solchen Unterschied findet man bei den französischen und spanischen Sprechern nicht.
Die medialen Konsonanten (/n/ und /n:/) zeigen, dass Norwegisch die einzige der vier untersuchten Sprachen ist, die einen signifikanten Unterschied aufweist. Die anderen drei untersuchten Sprachen weisen keine signifikanten Unterschiede auf.
Der finale Vokal (/a:/, /a/ und /@/) zeigt, dass das Schwa von allen Sprechern deutlich kürzer realisiert wird als die Vollvokale.
ΔV, ΔK
Die Berechnung der Standardabweichung ΔV für “Name kan” ergab eine Gruppenbildung. So unterscheiden sich norwegische und deutsche Sprecher signifikant von französischen und spanischen Sprechern.
Auch die Berechnung der Standardabweichung konsonantischer Dauern (ΔK) ergab, dass sich die norwegischen Sprecher i.d.R. von den anderen drei unterscheiden. Für Anna unterscheiden sich die norwegischen Sprecher signifikant von den französischen. Für Anne unterscheiden sie sich signifikant von den französischen und den deutschen Sprechern.
Die Namen Ana und Ane ergaben für die Berechnung der Standardabweichung, wie erwartet, keine signifikanten Unterschiede.
%V, %K
Der prozentuale Anteil an Vokalen zeigt einen signifikanten Unterschied zwischen den “Gruppen” norwegisch+deutsch und französisch+spanisch. Dadurch, dass norwegisch und deutsch lange Vokale kennen ist der prozentuale Anteil an Vokalen in diesen Sprachen höher.
Die Berechnung der prozentualen Anteile konsonantischer Intervaller zeigt eine Tendnz dahingehend, dass norwegische Sprecher einen höheren Anteil aufweisen als spanische und französische Sprecher. In der Literatur fand ich folgende Beobachtung: [...dass der prozentuale vokalische Anteil in Akzent zählenden Sprachen kleiner ist als es in Silben zählenden Sprachen der Fall ist. Begründet wird dies durch das Vorhandensein von Vokalreduktionen in Akzent zählenden Sprachen. Umgekehrt kann also vermutet werden, dass in Silben zählenden Sprachen der prozentuale Anteil an Konsonanten geringer ist als in Akzent zählenden Sprachen.]
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